Sringara - Liebe
 
BHARATANATYAM
ist das klassisch indische Analogon zur Tradition des klassischen europäischen Balletts. Die Kunst des Bharatanatyam ist schon mehr als 3000 Jahre alt. Wie die menschliche Sprache überliefert er geistigen Inhalte, Archetypen und Symbole der uralten Zivilisation Indiens. Diese Einsichten jedoch sind bis heute aktuell und mit unserer abendländischen Kultur verwandt. Vor 2000  Jahren hat der Weise Bharata die Grundlagen der Ästhetik und die Technik dieses Tanzes in seinem „Natyashastra“ (die Lehre über Tanz und Theater) verfasst.  Laut Bharata wird der Tanz nicht nur zur bloßen Unterhaltung aufgeführt, sondern von allem als der Weg der Erkenntnis und der geistigen Freiheit ausgeübt. Man kann es so verstehen wie Friedrich Schiller in seinen „Briefen über die ästhetische Erziehung des Menschen“ betonte, dass das Werkzeug, mit dem man einen Menschen veredeln kann, die Schöne Kunst ist. Er schieb: „Kunst ist eine Tochter der Freiheit“.
KÖRPER
Der physische Aspekt steht in der Relation zu Nrtta (abstrakter Tanz). Arai mandi, die Position der halb gebeugten Knie, ist die Grundstellung des Bharatanatyam. Durch das Stampfen in dieser Position werden bestimmte Zentren in unserer Wirbelsäule stimuliert. Das hat eine ähnliche Wirkung wie Yoga-Asanas. Der abstrakter Tanz bereitet den Künstler für die subtileren Stufen des Abhinaya (Ausdrucktanzes) vor.
PSYCHE

Abhinaya oder Nritya hat einen Bezug zur Psyche. Seine Instrumente sind die Sprache der Hände (Einzel- und Doppel-Mudras, die Geschichten darstellen), Augen-, Kopf-, Nacken-Bewegungen, der Gesichtsausdruck und der Geist. Hier werden mythologische Geschichten erzählt. Theorie der Rasas (der Gefühle) ist der Kern der indischen Ästhetik. Der Künstler produziert in sich selbst verschiedene Stimmungen, Navarasa (neun Gefühle). Sie werden im Gesicht und durch Gesten ausgedrückt. Diese Gefühle bewegen das Herz des Publikums. So wird der Darsteller für ein Moment eins mit den Zuschauern.
SEELE
Hinter der Fassade der Gefühle weilt der "Seher" in uns. Alles nimmt durch ihn Gestalt an. Der Tänzer kreiert eine Illusion auf der Bühne.
Diese drei Aspekte - Körper, Psyche und Seele - fließen im Strom der Darstellung. Jede Bewegung beinhaltet alle drei Elemente: "Wohin die Hand geht, folgen die Augen, wohin die Augen gehen, folgt das Herz."

Links: Navarasa - neun Gefühle präsentiert von Prof. Balagopalan - Kalakshetra Tanzakademie - Chennai

Indischer Tanz : "Bharatanatyam und Gehirn", Dr. med. Rhenhold Keuler, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie »
 

Alexandra Romanova - E-Mail: dance(at)alexromanova.com