"Bharatanatyam und Gehirn"
Dr. med. Reinhold Keuler, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie.

Der Tanz hat, wie jede Bewegungsform, Auswirkungen auf das Allgemeinbefinden und den Stoffwechsel. Schon rasch werden Ausdauer und Leistungsfähigkeit gesteigert, die Durchblutung gefördert und das Nährstoffangebot für die Körperzellen erhöht.

Diese positiven Auswirkungen gelten in besonderem Maß für das Gehirn und können konkret nachgewiesen werden. Einer Arterienverkalkung wird vorgebeugt, das spätere Schlaganfallrisiko sinkt.

Darüber hinaus sind noch spezifischere Veränderungen zu verzeichnen: Was früher von Neurologen stets als unmöglich angesehen wurde, dass das Gehirn im Erwachsenenalter an Volumen zunimmt, konnte kernspintomographisch nachgewiesen werden, teils durch Ausbildung neuer Synapsen und Leitungsbahnen, möglicherweise auch durch Ausbildung neuer Zellen.

Bharatanatyam und GehirnWelche Hirnteile sind besonders betroffen? Zunächst die motorische Hirnrinde. Neue Bewegungsmuster werden erlernt und trainiert. Weiter Hirnrindenanteile, die für die Sensibilität zuständig sind. Durch die Bewegung entstehen neue Sinneseindrücke, ein  Neues Gefühl für den Körper. Besonders gefördert wird auch das Kleingehirn, welches zuständig ist für Gleichgewicht und Zusammenarbeit der Bewegungsabläufe, die speziell beim Bharatanatyam-Tanz ganz ungewohnt sind.

Schließlich wird auch das Stammhirn (Hyppocampus) stimuliert, weil alle neu gelernten Bewegungsmuster vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis wandern, sodass nicht jedes Mal eine Überlegung vor dem nächsten Schritt erforderlich ist. Daneben wird auch die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) stimuliert, die verantwortlich ist für die Hormonausschüttung: Vermehrt gebildet und ausgeschüttet werden die Endorphine (körpereigene Opioide), Endocannabinoide (verwandt dem Haschischwirkstoff THC), sowie Adrenalin und Noradrenalin; Dopamin und Serotonin (die beiden Letzteren werden auch Glücks- und Stimmungshormone genannt).

Während des Tanzes wird hingegen das Frontalhirn heruntergefahren, das für Denken und Grübeln zuständig ist. Das heißt, dass das Frontalhirn eine Pause macht, weil andere Regionen verstärkt tätig sind.

Als Folge ergibt sich eine nachhaltige Förderung des Reaktionsvermögens, der Konzentration und der Ausdauer. Das assoziative Lernen und die Phantasie werden gefördert. Das heißt: Einsicht und Problemlösungsstrategien vermehren und verbessern sich. Die Räumliche Orientierung und das kognitive Leistungsvermögen nehmen zu (übersetzt: Intelligenz!).

Zusammenfassend kann gesagt werden: Bharatanatyam macht nicht nur fitter und leistungsfähiger, sondern auch glücklicher und sogar klüger.

 

Dr. med. Reinhold Keuler, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie.

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Alexandra Romanova - E-Mail: dance(at)alexromanova.com